WETTBEWERB HALLENBAD APPENZELL

Das Hallenbad legt sich quer zur Sitterstrasse und gibt es sich mit seiner Grösse und Stellung deutlich als öffentliches Gebäude zu erkennen. Es begrenzt den Raum zwischen Strasse und Sitter klar und markiert den Ortseingang von der Nordostrichtung her. Zugleich formt es mit der im Süden gelegenen Gebäudegruppe um den Kindergarten ein bauliches Ensemble. Die Ausgestaltung des Baukörpers strebt eine hohe Wirtschaftlichkeit und einen ressourceschonenden Betrieb an, orientiert sich aber gleichfalls am Erbe der lokalen Baukultur. Das von einem Querriegel unterbrochene, langgezogene Dach ist aus der reichen Morphologie der Appenzeller Bauernhäuser abgeleitet, deren Ökonomieteil mit dem Wohnhaus zusammengebaut sind und unterschiedliche Nutzungen auf vielfältige Weise miteinander verschmelzen. Die für den Ständerbau typische Rhythmisierung der Fassaden mit Fensterbändern, Brüstungstafeln sowie engmaschigen horizontalen und vertikalen Gliederungen wird im Hallenbad in einen neuen Massstab übernommen und weiterinterpretiert.

 

Der langgestreckte Baukörper verfügt über ein Satteldach, das weit auskragt und die Fassade schützt. Auf der Längsseite ist ein Risalit mit leichtem Quergiebel angelegt, welcher die Länge des Baukörpers gliedert und den Haupteingang betont. Von hier aus betritt man über einen breiten Windfang die Querhalle, welche ebenfalls vom höherliegenden Nebeneingang von der Südseite her erreicht werden kann. Am Kassenbereich vorbei gelangt man über die Umkleiden in den Barfussbereich und in eine Vorhalle, welche über hochliegende Fenster mit Südlicht versorgt wird. Von hier aus führt eine breite Treppe den Besucher ins Obergeschoss in die Schwimmhalle, wo das umlaufende Fensterband den grosszügigen Ausblick in alle Richtungen und eine optimale Belichtung erlaubt. Damit wird der Dachraum betont und die filigrane Tragstruktur skulptural freigestellt. Die zeltartige Untersicht des Satteldachs wird von der Stabstruktur der Betonstützen–und balken rhythmisiert und ist mit Eschentäfer verkleidet.

 

Seitliche Galerien erlauben eine offene Sicht auf das Geschehen im Schwimmbecken. Die zentrale Anordnung des Bademeisterbüros erlaubt die optimale Überwachung der beiden Schwimmbereiche. Das Lehrbecken ist über diese räumliche Einschnürung akustisch von der Schwimmhalle separiert und gewährt der Schwimmhalle eine ruhigere Atmosphäre. Über eine weitere Treppe gelangt man in das Dachgeschoss, wo zwei gut proportionierte Vorräume mit Wartezonen den Zugang zur Sauna sowohl im Stiefel- wie auch im Barfussbereich ermöglichen. Der introvertierte Ruheraum wird ergänzt um die Aussenterrasse mit Blick auf die Lourdes-Kapelle und die Berge, wo sich seitlich zwei weitere Ruheräume mit Wintergartencharakter befinden. Alle Technikräume sind im Erdgeschoss angeordnet um kurze Wege und Leitungsführungen zu ermöglichen. Die Heizungsräume liegen stirnseitig, womit der aussenliegende Kamin die Westfassade markant unterteilt und dem Bau ein unverwechselbares Gesicht gegen die Sitter verleiht.


OBJEKT
Wettbewerb für ein Hallenbad im Appenzell


STANDORT
Appenzell 


MATERIALISIERUNG
Tragkonstruktion in Beton, Dachkonstruktion aus vorfabrizierten Hohlkastenelementen


MITARBEIT
Johannes Käferstein, Urs Meister, Chiara Pestoni